Die DDR ein sozialistischer Staat?

Posted by frieden on 25.11.2007

…oder was wollten wir von dieser Erfahrung aufnehmen?
Welche Frage theoretisch und praktisch für das Verständnis der heutigen Welt wichtig ist, kann augeworfen werden und wird dann gesondert diskutiert.

5 Comments

  • frieden sagt:

    http://www.sozialismus.info/?sid=2376
    unter diesem Link findet ihr eine Diskussion zum Thema zwischen SAV-Spitzen und Robert Steigerwald von der DKP – hilft doch erstmal zum Einstieg…

  • Petzold sagt:

    Meine Meinung, auch nach mehreren Studien ist eindeutig, ja die DDR war ein soz. Staat und ihr Untergang ist einer der
    schmerzlichsten Niederlagen für die gesamte deutsche Arbeiterbewegung und ihrer Verbündeten.

    Petzold

  • Malle sagt:

    Ich denke, zuerst muss die Frage geklärt werden:“Was ist ein Sozialismus?“, um dann zu sehen ob die DDR ein sozialistischer Staat war oder nicht.
    Geh ich vom ursprünglichem Inhalt des Wortes aus, so kann man sagen, Sozialismus ist eine Beschreibung für eine Art der Entwicklung, dass man mit der Endung „ismus“ in eine Abstrakte Form bringen will, damit man das Wesentliche schneller und besser im Zusammenhang versteht. Hier geht es im wesentlichen um die soziale Demokratie in einem Staat.
    Und hier muss die Frage beantwortet werden, was ist ein Staat?
    Da wir in einer Welt der Wirtschaft leben in der sich, aufgrund der Entwicklung der Produktion, Unternehmer in Ihrem Konkurrenzkampf ums Überleben um Marktanteile, dazu gezwungen sehen sich soviel wie möglich Geld an zu eignen, um eben als Unternehmer mit seinem Unternehmen am Leben zu bleiben. Aufgrund dessen wird er dadurch gezwungen die Produktionsmittel und die Arbeitnehmer so auszubeuten, so das am Ende die Arbeitnehmer immer weniger Lohn bekommen.
    Somit ist die Frage beantwortet welche Widersprüche es in einer Bevölkerung eines Staates gibt, was eben einen Staat notwendig macht, der sich durch die Regierung mit seinen entsprechenden Mitteln darstellt.
    Der Staat ist ein Werkzeug einer Bevölkerung, womit Widersprüche in Ihr unterdrückt werden sollen, um friedlich im Land leben zu können. Da diese Widersprüche aber grundsätzlicher Art sind und sich nicht friedlich lösen lassen können, weil die einen nie etwas von sich geben wollen und die anderen immer von dem anderen etwas haben wollen, muss der Staat diesen Frieden gewaltsam herbei führen. Da aber entscheidend ist wer gerade die Macht im Staat hat, hängt es natürlich auch dann davon ab welches System benutzt wird, ein kapitalistisches, wo es immer nur ums Geld geht oder ein sozialistisches, wo es immer nur um die Bedürfnisse der Menschen im allgemeinen geht.
    Jetzt ist es in einem kapitalistischem Staat so, dass die Regierenden die Macht haben alles zu tun und zu garantieren, den Markt sich frei entwickeln zu lassen, also den Unternehmern freie Hand lassen zu tun was sie wollen. Das heißt, die einen haben in der Hauptseite die Rechte und die anderen haben in der Hauptseite die Pflichten. Diese werden im Kapitalismus immer weiter getrennt.
    Im sozialistischem Staat ist es genau umgekehrt, dort hat die Bevölkerung durch Demokratie die macht und dort hat auch die Regierung die Macht die Unternehmer zu zwingen von ihrem Besitz soviel abzugeben, das die Bevölkerung davon leben kann.
    Da die Monopole in immer weniger private Hände sind und die allgemeine Bevölkerung darauf keinen Einfluss hat, wird der grundsätzliche Widerspruch zwischen Kapital und den Bedürfnissen der Bevölkerung die von der Arbeit leben können muss, immer deutlicher. Es ist die Abhängigkeit von immer mehr Menschen von immer weniger Menschen die immer mehr Besitzen. Die Befriedigung der Bevölkerung muss immer mehr den Interessen des Geldes weichen. Dies ist ein grundsätzlicher Widerspruch der nur durch Machtübernahme der Bevölkerung gelöst werden kann.
    Das kann eben dann nur ein sozialistischer Staat sein, der wirklich das Gegenteil macht. Dazu muss aber die Bevölkerung die Macht haben wollen dies eben tun zu können. Hier denke ich, ist es notwendig sich zu überlegen welche Form und Mittel die Bevölkerung ergreifen muss und braucht, um diese Macht zu bekommen.
    Und da glaube ich nicht, das es in der DDR jemals möglich war, weil die noch so gut gemeinte „Einführung“ des Sozialismus, weder von „unten“, also als Bewegung von der Bevölkerung ausging, noch das damit verbunden der Wille vorhanden war darum auch zu kämpfen. Für mich war das ein „Versuch“ den Sozialismus von oben einzuführen. Er war zum Teil sozial wie es auch in anderen Ländern ist, aber eines war er nicht, demokratisch und damit waren zwei Dinge nicht zusammen die untrennbar zusammen gehören. Es ist absolut notwendig eine soziale Demokratie in einem Staat zu haben, wenn man von Sozialismus oder einem sozialistischem Staat sprechen will. Auch hier, meine ich sollte man darüber Nachdenken, wie wir den Begriff „Sozialstaat“ für uns gewinnen können, den ich am liebsten mit dem Inhalt füllen würde dem es gebührt, denn hier kommen wir den üblichen, von den Gegnern gern gemachte Verdrehung. Die Wahrheit des Inhalts eines Wortes in eine Lüge verdrehen und schon werden wahrheitsliebende in die Irre geführt.
    So das war es erst mal. Ich weiß, ich muss die Fülle des Wissen in geordnete Bahnen bringen, aber irgendwann lerne ich das auch noch.

  • frieden sagt:

    Es gefällt mir, dass Malle logisch herangehen will, also mit der Klärung der Begriffe. Allerdings stimme ich seinen Definitionen nicht zu. Es müsste notfalls genauer diskutiert werden, ob die marxistischen Definitionen falsch sind. In Teilen hast du sie aber bestätigt. Wo mir allerdings Zahnschmerzen kommen, ist die Behauptung, der Staat sei des Werkzeug einer Bevölkerung…
    Das war er nie und wird er nie sein. Immer war und bleibt jeder Staat „Instrument der herrschenden Klasse“ zur Aufrechterhaltung der eigenen Herrschaft als Klasse.Dabei geht es bei dem „etwas haben wollen“ immer um reale Macht bzw. das sie begründende Eigentum. Natürlich gibt es mit einem Schachausdruck gesprochen „Bauernopfer“, wird jedes Gericht auch gelegentlich ein Urteil fällen, das dem einzelnen Unterdrückten Recht gibt. Aber z. B. ist der Sinn allen Staates (seiner Grenzen, seiner Armee, seiner Beamten und Angestellten, seiner Gesetzgebung usw.), zu erreichen, dass alles Malles froh bleiben, ihre Arbeitskraft verkaufen zu dürfen (!müssen!).
    Das Interesse einer Klasse, also der Aufrechterhaltung des Systems als Ganzes deckt sich nicht immer mit den Einzelinteressen der Gruppen und Schichten dieser Klasse, und in einem konkreten Staat zu einer konkreten Zeit übt die Macht ja nicht die ganze Klasse aus.
    Insofern ist „Pätzolds“ vereinfachende Bejahung nicht ganz abzuweisen. Der Staat DDR vertrat auf jeden Fall nicht die Interessen einer Kapitalistenklasse, u.a. weil es eine solche im Staatsgebilde nicht gab.
    Er vertrat die Interessen von etwas, was er für das Proletariat zu halten glaubte, weil es müsse ja eine „Diktatur des Proletariats“ sein.
    Womit wir bei der entscheidenden Frage des Eigentums wären.
    Kapitalistisches Eigentum an den Produktionsmitteln ist verhältnismäßig klar als privates erkennbar.
    Sozialistisches Eigentum wäre im Kern gesamtgesellschaftliches – es setzt außer nominaler Rechtszuordnung (die es in der DDR gab) auch die reale Inbesitznahme voraus. Die aber ist nicht erfolgt. Sie konnte auch noch nicht erfolgen, weil die technischen Voraussetzungen für Produzentendemokratie nicht vorlagen. (vgl. Cockshott…)
    Womit wir bei „Sozialismus“ wären.Und der beschreibt reale gesellschaftliche Verhältnisse in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation. Er setzt die prinzipielle Klärung der Eigentums- und Machtverhältnisse voraus und ermöglicht ein allmähliches Absterben seiner als Staat gesondert organisierten Machtorgane, weil deren wirtschaftliche und regelnde Funktionen durch Selbstorganisation abgelöst werden.
    Bei der Entwicklung der Theorie dieser Gesellschaftsformation hatten MEL logisch sinnvoll vor Augen, dass materielle kapitalistische Machtinstrumente im Wesentlichen beseitigt wären. (Dass die sozialistische Revolution in den entscheidenden fortgeschrittenen Staaten gesiegt hat – der dann notwendige Hinterwäldlersozialismus war nicht eingeplant)
    Selbst in der Blütezeit des „realen Sozialismus“ blieb das kapitalistische System ökonomisch überlegen. Es konnte also mehr Mittel in die ideologische (und grenz-militärische) Kriegführung stecken.
    Damit war es den „sozialistischen“ Staaten nie möglich, die Vorzüge des eigenen Systems zu entfalten.
    Insofern wäre die DDR als Staat mit potentieller Ausrichtung auf Sozialismus im Übergang unter kapitalistischen Rahmenbedingungen zwar sperrig, aber genauer beschrieben…

  • frieden sagt:

    <p>Inzwischen gibt es einen interessanten Kommentar, auf den ich als gesonderte Diskussion hinweisen möchte:</p>

    http://slovantgali.de/2007/11/27/arbeitsmotivation-im-sozialismus/#comments

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